Aus der Schreibwerkstatt

Hier gibt es Einblicke in meine gerade aktuellen Arbeiten. Meistens habe ich mehrere "Eisen im Feuer" in verschiedenen Stadien der Entwicklung. Hier eine kleine Übersicht:

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Roman (Stand: Mai 2026)

Titel: Albalyra oder die Sprache des Sees (Arbeitstitel)

Verlag: ?

Sprache: Deutsch

Ich schreibe an meinem ersten Roman Albalyra oder die Sprache des Sees. Derzeit bin ich in der Überarbeitung weiter Teile davon, und das Finale ist noch nicht einmal in erster Version geschrieben.

Wenn man die Textmenge, die ich da vor mir sehe, betrachtet, könnte man meinen, er sei zu 80% fertig. Aber das wäre unwahr. Wie ist also wirklich der Stand?

Ich habe diesen Blog-Eintrag auf dem Fahrrad geschrieben.

Natürlich nicht einen Laptop auf dem Lenker balancierend. Auch nicht als Audioaufnahme bei der Fahrt, während sich andere Ausflügler womöglich über das Selbstgespräch wundern. Und schon gar nicht mit irgendeinem Sprachbefehl a la "ChatGPT/Claud/younameit, schreibe mir einen Blogartikel", der dann poliert wie ein kalter Spiegel fertig vorliegt, wenn ich vom Rad steige.

Nein, ich meine natürlich die Rohfassung. In meinem Kopf. Die entstand beim Pedale treten. Den mechanischen Vorgang des Schreibens erledige ich hingegen - zurück zuhause - auf den Rattan-Möbeln in unserem Garten bei herrlichem Wetter. Gibt es etwas Besseres als im Garten zu sitzen und zu schreiben? Wenig.

Was hat mich also entlang des Niddaufers so beschäftigt? Erst mal hatte ich heute einen kleinen Dämpfer, der sich aber - so hoffe ich es - in einen neuen Motivationsschub wandelt.

Fangen wir mit diesem Dämpfer an, sozusagen dem Punkt einer Tpur, an dem es bergauf geht und das Treten in die Pedale zur Qual wird: Ich höre gerade Andreas Izquierdos Roman Fräulein Hedi träumt vom Fliegen als Hörbuch. Das ist alles andere als eine Qual, sondern ein hervorragendes Buch. Seitdem ich aber selbst an meinem schreibe, achte ich bewusster - und irgendwie mittlerweile fast schon automatisch - auf mehr als nur die Geschichte. Ich frage mich stärker, was mir daran eigentlich so daran gefällt- und das ist meist weit mehr als "nur" die Geschichte: Es ist die Weise, wie der Schreibende die Lesenden führt. Wie die Autorin oder der Autor die Figuren angelegt hat, wie Kapitel beendet werden, welche Rolle die einzelnen Szenen für die Charakterentwicklung und die Handlung spielen, was sie in der Geschichte verändern, wo sie starten und wie sie enden. Ich achte auf Strukturen und den Wechsel zwischen Erzählsträngen (Fräulein Hedi hat eine Gegenwartshandlung und einen Plot darin in der Vergangenheit der namensgebenden Figur - nicht unähnlich der STruktur in meinem Roman, auch wenn die Themen völlig unterschiedlich sind). Mir fallen Echos vergangener Ereignisse und deren Ausarbeitung auf, genauso wie Foreshadowing auf kommende. Gewissermaßen analysiere ich den Text fast wie zu Schulzeiten - nur freiwillig und mit deutlich mehr Spaß dabei.

Was ist daran also der Dämpfer? Zwar sollte man sicher nicht von jedem Buch, das man gerade liest (oder hört), sofort aktionistisch alles daraus zu übernehmen versuchen. Aber ein Roman wie dieser, einer, den ich gerne lese und den ich auf diesem Niveau auch gerne schreiben würde, zeigt mir einfach, was an meinem Roman noch nicht stimmt, wo es hakt, wo Autoren wie Izquierdo es einfach so viel besser machen als ich in meinem Roman. Das kann ziemlich deprimierend sein, Zweifel säen wie "Das kann ich so nie!".

Aber es kann auch anspornen. Denn seit ich vor knapp einem Jahr angefangen habe, meinen eigenen Roman zu schreiben, habe ich daran auch vieles gelernt, mir Techniken angeeignet, auf Details geachtet, die mir als Leser zuvor allenfalls Hintergrund aufgefallen waren oder ganz unterhalb meiner Wahrnehmungsschwelle abliefen. Die aber den Unterscheid machen zwischen einem Buch, das nachwirkt, und einem, bei dem irgendwie alles nicht so recht zusammenpasst.

Ich schreibe jetzt zwar schon seit über 15 Jahren für Rollenspiele, aber das Romanschreiben hat seine ganz eigenen Regeln und Schwerpunkte. Der Unterschied zwischen Sachtexten, die Infos vermitteln, und "Jeder Satz muss sitzen", der Textfluss lyrisch tragen und Info-Dump bitte vermeiden (und noch vieles mehr).

In meinem Kopf haben mich auf der kleinen Fahrradtour heute also auch Gedanken umgetrieben, wie ich meinen Roman bei der nächsten Überarbeitungsrunde auf ein "höheres Level" heben kann. Die beschriebene Schwermut bezüglich besserer Autoren als ich selbst es bin (die wohl jede Person, die schreibt, nur zu gut kennt), hat dazu geführt, dass in meinem Kopf jetzt Kapitel umherpurzeln und sich neu anordnen wollen. Dass Erzählstränge, die bisher von mir klein gehalten wurden, sich rerheben und um mehr Aufmerksamkeit buhlen. Und dass Figuren sich räuspern, die Hand jheben und anmerken, dass sie mehr Substanz und Funktion brauchen, und ihnen auch eine größere Rolle zustehen sollte.

Das gibt mir Rückenwind. Und nach der Steigung über den Hügel kommt die rasante Fahrt bergab, bei der für eine Weile alles wie von alleine läuft. Ich weiß zwar, dass wieder Hügel kommen werden, aber für den Moment kann ich den Wind im Gesicht vollauf genießen. Und währenddessen beginnt sich bei mir eine gewisse Freude darüber auszubreiten, etwas schon ganz Passables durch neu gewonnenes Wissen, neue Ideen und Techniken, noch besser zu machen. Daran zu feilen und das Beste herauszuholen, das mir möglich ist. Und ich merke, dass dieser Prozess Aspekte an meinem Roman, die mich bisher noch nicht so recht zufriedengestellt haben, deutlich verbessern könnte. Was daraus entsteht, ist Vorfreude auf die nächste Schreibsession, neue Motivation.

Vielen Dank also an all die Schreibenden, die das besser können als ich, weil ich dadurch von ihnen lerne!

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Die Schwarze Katze - Städteband (Stand: April 2026)

Band: noch geheim ;)

Spiel: Die Schwarze Katze

Verlag: Ulisses Spiele

Sprache: Deutsch

Ein neues Schreibprojekt für mich hat mittlerweile begonnen. Ich kann noch keine Details nennen, aber es geht um Die Schwarze Katze und den (nach Fasar, Donnerbach und Xorlosch) nächsten Städteband.

Eine Reihe von Dingen werden diesmal aber anders sein. Zunächst einmal: Ich werde den kompletten Band planen und schreiben, also nicht nur einzelne Texte und ein Abenteuer, sondern diesmal alle Texte: Professionen, Archetypen, Beschreibung von Stadt und Umland, NSCs, Kreaturen, Ausrüstung - alles, was zum Band gehört

Hier greift aber auch schon die zweite Änderung: Es wird in diesem Fall nur einen einzelnen Band geben, keine "Produktflöte" aus Hauptband, Jenseits der..., Bestiarium und Abenteueranthologie.

Das grundlegende Konzept des Bandes steht, der Schwerpunkt des Settings ist festgelegt. Jetzt geht es and das "Fleisch auf die Rippen". Ich habe im Moment großen Spaß daran, mir die passenden Professionen auszuarbeiten, dazu Bildbeschreibungen für die Illustrator*Innen abzuliefern und derlei mehr. Es sei verraten, dass es eine (diesmal nur eine) zusätzliche Spezies geben wird. Für Katzen und Hunde werden außerdem zusätzliche Rassen vorgestellt, die regionstypisch sind.

Ich werde sicher bald mehr berichten und kann dann vielleicht auch ins Detail gehen. Für den Moment müssen diese zugegeben sehr "ominösen" Umschreibungen genügen.

Seid auf jeden Fall schonnal gespannt!

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Cthulhu - Mystische Stätten (Stand: März 2026)

Band: Mystische Stätten (Arbeitstitel)

Spiel: Cthulhu

Verlag: Pegasus Spiele

Sprache: Deutsch

Für das Cthulhu-Rollenspiel von Pegasus Spiele entsteht derzeit ein Quellen- und Abenteuerband, der sich mystischen Orten im deutschsprachigen Raum widmet. Darin werden mehrere solcher Stätten jeweils auf einigen Seiten vorgestellt – mit wichtigen Fakten, einer profanen Beschreibung des Ortes, seinem möglichen (nein, natürlich tatsächlichen!) Mythos-Hintergrund sowie Ideen für Szenarien. Einige dieser Orte erhalten darüber hinaus ein ausführlich ausgearbeitetes Abenteuer.

Ursprünglich war geplant, zu jedem Ort auch ein vollständiges Abenteuer beizusteuern. Die von verschiedenen Autor*innen verfassten Beiträge – jeweils aus Ortsbeschreibung und Szenario bestehend – decken Deutschland bereits recht gut ab. Dennoch fiel uns auf, dass einige Regionen des deutschsprachigen Raums bislang unterrepräsentiert waren. Da im Band noch Spielraum vorhanden war, fiel die Entscheidung, zusätzliche Orte aufzunehmen – allerdings ohne umfangreiche Abenteuer, sondern als inspirierende Schauplätze mit mythologischem Hintergrund.

Was steuere ich selbst bei?

Zum einen ein vollständiges Abenteuer samt mystischer Stätte. Da ich in der Nähe von Frankfurt lebe und diesen Ort in der Umgebung schon mehrfach besucht habe, fiel meine Wahl auf das Felsenmeer im Odenwald. Diese sagenumwobene Stätte im Odenwald südlich von Frankfurt ist eine ungewöhnliche geologische Formation: Über eine längere Strecke zieht sich ein breites Band aus übereinandergestapelten Felsblöcken wie eine steinerne Schneise durch den Wald – fast wie ein erstarrter Strom aus Granit.

Um das Felsenmeer ranken sich zahlreiche Sagen. Besonders bekannt ist die Geschichte von zwei Riesen, die sich von gegenüberliegenden Berggipfeln aus mit gewaltigen Felsbrocken bewarfen. Die Steine sollen sich dadurch zu jenem Felsenmeer aufgetürmt haben, das wir heute kennen – während die Riesen selbst unter den Felsen begraben liegen.

Eine Sage, die geradezu um einen cthuloiden Hintergrund bettelt!

Tatsächlich habe ich diese Legende als eine Art "wahren Kern" für mein Abenteuer aufgegriffen – auch wenn es in meiner Version nicht zwei Riesen sind, die einst miteinander im Streit lagen, sondern zwei ganz andere, weit ältere Wesenheiten.

Hinzu kommt ein historischer Aspekt: Am Felsenmeer finden sich Spuren spätantiker römischer Steinbearbeitung. Felsblöcke wurden dort zu Säulen oder anderen Formen behauen – und dann aus bis heute ungeklärten Gründen zurückgelassen. Auch diese rätselhaften Relikte spielen in meinem Abenteuer natürlich eine Rolle.

Neben dem Felsenmeer selbst gestalte ich das nahegelegene Dorf Reichenbach als weiteren Schauplatz aus. In den 1920er-Jahren war es bereits ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderer und Naturtouristen, blieb aber zugleich ein ländlich geprägter Ort – eine atmosphärisch dichte Kulisse für ein Szenario kosmischen Grauens.

Über den konkreten Inhalt möchte ich noch nicht zu viel verraten. Nur so viel: Der uralte Zwist jener beiden "Riesen" beginnt erneut aufzubrechen – mit bizarren und gefährlichen Folgen, die Freunde nicht-euklidischer Geometrie hoffentlich besonders zu schätzen wissen werden.

Neben dem Felsenmeer habe ich außerdem drei weitere Orte ausgewählt, die ich für den Band ausarbeite. Dabei habe ich bewusst darauf geachtet, Regionen des deutschsprachigen Raums einzubeziehen, die im übrigen Band weniger vertreten waren. Geplant sind daher Beschreibungen der Rakotzbrücke in Ostdeutschland, des Aletschgletscher in der Schweiz sowie der Blutgasse in Wien – selbstverständlich jeweils mit ihren ganz eigenen, (wahren ;) ) cthuloiden Hintergründen.

Der Fokus liegt dabei jeweils auf den 1920er-Jahren.

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Roman (Stand: Februar 2026)

Titel: Albalyra oder die Sprache des Sees (Arbeitstitel)

Verlag: ?

Sprache: Deutsch

Derzeit schreibe ich an meinem ersten Roman, der Text ist zu etwa 3/4 geschrieben, der dritte und letzte Teil fehlt aber noch größtenteils. Außerdem werden natürlich noch mehrere Runden an Überarbeitung folgen. Ich werde also noch eine Weile damit beschäftigt sein.

Aber was schreibe ich eigentlich - und warum und für wen?

Es wird sich - anders als man vielleicht vermuten könnte - nicht um einen Fantasy-Roman handeln. Stattdessen wird es ein literarischer Roman oder Generationenroman mit fantastischen Elementen (neudeutsch könnte man aber wohl den Begriff "literary Fantasy" wählen).

Albalyra oder Die Sprache des Sees erzählt von verborgenen Brücken und dem Schweigen zwischen den Generationen, von Geschichten, die verloren gehen, und von dem leisen Wiederfinden einer gemeinsamen, verlorenen Welt. Es ist ein Roman über die Fantasie als Lebensnerv, die sich aber wandelt und dabei neue Formen findet.

Die Handlung spielt über mehere Jahrzehnte und 2-3 Generationen verteilt, von den frühen 90ern bis in die Zukunft hineinreichend. Zwischen den Protagonisten (im Kern zwei Figuren) wird es dabei Perspektivwechsel geben.

Die Idee dafür trage ich schon seit vielen Jahren mit mir herum. Wenn man so will, ist sie in dieser Zeit in mir gereift - und irgendwann letztes Jahr wollte sie dann unbedingt raus.

Sie entstand aus der Frage, warum so viele Erwachsene irgendwann aufhören, zu erzählen, und was dabei verloren geht. Der Roman zeigt Fantasie als eine Kraft, die Menschen verbindet und die trotz aller Unterschiede von Generation zu Generation in anderer Form weitergegeben wird, weiterlebt.

Der Roman verbindet Gegenwartsprosa mit poetischer Fantastik und bricht dabei starre Genremuster. Allegorische Fantasiewelten fließen dabei mit der Realität ineinander, von Arcade-Spielen und kindlichen Tagträumen der 1990er über mythologische Erzählungen, Rollenspiel- und Comicwelten bis hin zu futuristischen VR-Landschaften und düsteren Gedankenlabyrinthen. Diese Ebenen und Welten spiegeln dabei innere Entwicklungen der Figuren wieder. Die fachlichen Begriffe dazu bewegen sich im Feld von "Remediation", "Diegese", "Intermedialität" und "Medienmimese", das aber nur am Rande :)

Ich wollte bewusst keinen reinen Fantasy-Roman schreiben - nicht, weil ich die nicht gerne lese und schätze. Aber meine Idee brauchte mehr Bezug zum realen Leben, wollte zwar durchaus in der Phantasie erzählt werden, aber auch über sie erzählen.

Werkstattbereicht 2 DSA Verschwörung von Gareth Bild

Werkstattbericht 2: Die Verschwörung von Gareth (März 2024)

Band: Die Verschwörung von Gareth

Spiel: Das Schwarze Auge

Verlag: Ulisses Spiele

Sprache: Deutsch

Vor einer Weile habe ich euch die zugrundeliegenden Überlegungen bei der Überarbeitung genannt: Eine Intrige, die komplexer werden muss, ein Turnier, das farbenfroher und vielfältiger werden soll, weitere Schauplätze und Verwirrungen, neue Meisterpersonen, die damals unbekannt und heute gesetzt sind. All dies wollten wir umsetzen. Jetzt, zum Ende der Schreibarbeit, wird es Zeit zu schauen, wie wir derlei Dinge umgesetzt haben.

Das Rätsel früher

Ich möchte dies an einem Beispiel aufzeigen, das gut veranschaulicht, was wir aus einer Ursprungsidee gemacht haben. Im Ursprungsabenteuer geht es – neben der Teilnahme am Großen Kaiserturnier – im Kern um ein Rätsel. Ich verwende das Wort Rätsel im Sinne eines Puzzles, wie man im Englischen sagen würde, und in Abgrenzung zu einem Mysterium. Ein Detektivfall, ein geheimnisvoller Vorgang, eine mysteriöse Intrige; derlei Dinge sind Mysterien. Rätsel umfassen in dieser Definition eher Wortspiele, zu knackende Codes oder Verschieberätsel. Im Ursprungsabenteuer war die Ballade, die den Helden zu Ohren kommt, ebendies: Ein Rätsel, bei dem man auf einer Wappentafel Tiere abgleichen und auf die Lösung kommen musste.

Nun stehen solche Rätsel heutzutage – nicht ganz zu Unrecht – nicht mehr sonderlich hoch im Ansehen. Sie können frustrierend, albern und innerhalb der inneren Logik einer Spielwelt auch unplausibel sein; sie wirken ein wenig wie ein Relikt aus vergangenen Tagen.

Tatsächlich ist das damalige Rätsel sogar noch ein recht hübsches Beispiel für ein annähernd innerweltlich plausibles. Wenn man mal vom plumpen Fälschungsversuch, der uns damals präsentiert wurde, absieht: Da will jemand eine Verschwörung verdecken und gibt den Helden, die eine Bardenballade in Händen halten, einen plumpen Spruch, der nicht einmal mehr mit ‚tanderadei‘, sondern ‚tamteramtam‘ endet. Das dürfte für wenig Täuschungspotenzial und eher für Gelächter am Spieltisch sorgen. Gleichzeitig sonnt sich ein Abenteuer wie diese Neuauflage natürlich auch ein wenig in derlei schrulligen Kleinigkeiten.

Das Rätsel heute

Mir war also schnell klar: Aus diesem Rätsel musste ein Mysterium gemacht werden, und doch sollte der Ursprung nicht peinlich verschwiegen, sondern sinnvoll ausgebaut werden. Ich habe mich dazu am grundsätzlichen Ablauf des Originals orientiert: Die Helden konnten damals eine erste Balladen-Strophe erhalten, mit etwas Nachforschung eine weitere (mit leichten Erinnerungslücken von Ohrenzeugen) und wurden dann schließlich von der Gegenseite ‚verwirrt‘ durch eine (wie gesagt sehr plumpe) Fälschung. Die Ballade benennt dabei Wappentiere, die in diese Intrige verstrickt sind und die man auf einer Wappentafel abgleichen konnte.

Was ich daraus gemacht habe, ist zunächst einmal, mehr Doppeldeutigkeiten und Zweifel ins Lied zu bringen. Ich habe die Ballade auf mehrere Strophen erweitert, die weniger eindeutig die Schuldigen und Opfer benennen, sondern sich eine etwas poetischere Deutung erlauben. Dadurch, dass die Helden nun die Möglichkeit haben, eine ganze Reihe von Strophen zu finden, ergeben sich ihre Erkenntnisse erst nach und nach durch Befragungen, Funde von Fragmenten und Rollenspiel. Langsam kommen die Helden also einem – tamteramtam – Mysterium auf die Spur. Auch Talentanwendungen können bestimmte in der Ballade verwendete Begriffe näher erklären und mehr Licht ins Dunkel bringen. In diese Suche nach Fragmenten der Ballade habe ich einerseits die damals nur rudimentär angedeuteten Missverständnisse bei Ohrenzeugen eingebaut und ausgeweitet: So erhältst du als Spielleiterin ein paar beispielhaft missverstandene Strophen an die Hand, bei denen die Spieler entscheiden müssen, ob diese für sie plausibel klingen oder man der Quelle vielleicht besser nicht zu viel Glauben schenkt. Und natürlich gibt es auch die Fälschung. Diese hat mich auf die Idee gebracht, auch eine geeignete Meisterperson einzuführen, die derlei Fälschungen entwirft und auf die die Helden treffen können. Die Fälschung wollte ich etwas geschickter haben. Mit demselben Versmaß und demselben Sprachbild verdrehen die gefälschten Strophen den Sinn der Ballade hoffentlich mehr als damals in Richtung falscher Verdächtigungen. Sie sollen Unsicherheit bei Helden wie Spielern schüren, ja, ihnen (ich darf dies in einem Abenteuer namens „Die Verschwörung von Gareth“ so benennen) ‚alternative Fakten‘ liefern.

Wappentiere und Missverständnisse

Aber nicht nur auf der Seite der Ballade habe ich auf Erweiterung und Ausbau gesetzt, auch auf der Seite der Wappen. Wir haben dafür gesorgt, dass es bei den Wappentieren das ein oder andere Missverständnis gibt, das die Helden auf falsche Spuren bringt. Einige kleine Ereignisse und Geschehnisse im Turnierumfeld könnten sie durchaus vom Pfad abbringen und Verdächtigungen in falsche Richtungen ermutigen. Ich denke, es wird eine Freude für so manche Spielleiterin sein, die Helden mit unsicheren Verdachtsmomenten, verursacht durch Fälschungen und Doppelagenten, auf derlei Abwege zu schicken.

Und zuletzt ist es die Suche selbst, die erweitert wurde. Die Neuauflage geht genauer darauf ein, welche Gegenspieler die Helden haben, wer ihnen welche Steine in den Weg legt und wie sie dennoch ihre Nachforschungen voranbringen können.

Ach, und noch ein letztes: So ganz konnte ich mir diese wunderbar plumpe Fälschung von damals im neuen Text doch nicht verkneifen. Ein Vers daraus findet wortwörtlich Einzug in die neue Version: Als Schlachtruf beim Immanspiel. In diesem Sinne:

»Die <tüt>fach <tüüüt> aus <Tüt-Tüt>-Stein drückt dem <Tüüüt> den Schädel ein! Hacketau!«